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Verblasste Spuren

Obermayer German Jewish History Award 2015 

75 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs

shoah gedenktag2013 pauriHeute vor 75 Jahren endeten mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht die Kampfhandlungen des Zweiten Weltkriegs in Europa. Das Altenburger Land war bereits vorher befreit worden.

Am 15. April 1945 hatten US-Truppen nach kurzem Artilleriebeschuss im Laufe des Vormittags die Stadt Altenburg besetzt. Mit dem Einmarsch des 304. Infanterieregiments der 76. US-Infanteriedivision endete die nationalsozialistische Herrschaft in der Stadt.

Erst kurz zuvor, am 12. April 1945, war das Altenburger Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald auf dem Gelände des heutigen Gewerbegebiets Poststraße geräumt und die verbliebenen KZ-Häftlinge – nach neuesten Er-kenntnissen rund 2.400 Frauen und etwa 200 Männer – auf einen Todesmarsch geschickt worden. Ihr Weg führte von Altenburg über Gößnitz, Meerane und Remse nach Waldenburg, wo die Kolonnen geteilt wurden. Während ein Teil der Häftlinge in Waldenburg, Meerane oder Pfaffroda befreit wurde, trieb man den anderen Teil der Häftlinge in Richtung tschechische Grenze. So wurden manche der KZ-Häftlinge wohl erst auf tschechischem Boden befreit.

Das Altenburger Außenlager beim Rüstungsproduzenten HASAG war am 1. August 1944 in Betrieb genommen und nach kurzer Zuordnung zum Stammlager Ravensbrück Ende August 1944 Buchenwald zugeordnet worden. Das Lager fasste nach aktuellen Erkenntnissen jeweils zwischen rund 1.100 und etwa 2.600 Häftlingen, wobei der Anteil männlicher Häftlinge stets unter zehn Prozent lag. Die Häftlinge kamen aus den verschiedensten Ländern und Gruppen: Während fast 90 Prozent der etwa 230 Männer Juden waren, setzte sich die weitaus größere Anzahl weiblicher Häftlinge von über 3.500 Frauen aus rund 1.000 Jüdinnen, mindestens 1.000 Sinti und Roma, über 1.300 Polinnen, mindestens 150 sowjetischen Gefangenen und kleineren Gruppen aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Jugoslawien, Norwegen, der Slowakei und Tschechien zusammen. 12 Häftlinge starben in Altenburg, weitere auf dem Todesmarsch oder nach der Verlegung kranker und arbeitsunfähiger Häftlinge in den Konzentrations- und Vernichtungslagern Buchenwald, Ravensbrück, Bergen-Belsen oder Auschwitz.

Die Besetzung Altenburgs durch US-amerikanische Truppen war zugleich der Tag der Befreiung für Tausende ausländische Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene in der Stadt und der Umgebung. Sie war Befreiung auch für die Einwohner – auch wenn viele von ihnen das damals nicht so sahen – und beendete die nationalsozialistische Terrorherrschaft, die auch in Altenburg selbst etliche Opfer forderte. Ob die unmenschliche „Polenaktion“ vom 28. Oktober 1938, die rund 50 jüdische Opfer des Altenburger Landes aus dem Lande und viel zu oft in den Tod trieb, ob die Pogromnacht wenige Tage später, die Deportationen Altenburger Juden in den Jahren 1942, 1943 und 1944, die vielfache Verfolgung von Andersdenkenden, die Ermordung von Altenburgerinnen und Altenburgern in Konzentrationslagern oder die menschlichen und kulturellen Opfer der Kriegshandlungen: Neben der Abschaffung der demokratischen Republik, von grundlegenden Menschenrechten oder freiheitlichen Werten hat sich das NS-Regime in vielfältiger Weise geradezu unvorstellbarer Verbrechen schuldig gemacht.

Mit der deutschen Kapitulation endete die nationalsozialistische Terrorherrschaft, ihre Folgen aber wirken bis heute nach und werden es auch zukünftig tun. Umso unverständlicher ist es, wenn bis zum heutigen Tag Menschen die Geschehnisse leugnen, kleinreden oder zu rechtfertigen versuchen. Ein altes jüdisches Sprichwort beschreibt mit wunderbaren Worten das Gebot vergangener, aktueller und künftiger Tage: "Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung".