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Verblasste Spuren

Obermayer German Jewish History Award 2015 

Das „jüdische Altenburg“ von 1868 bis 1945

Der nachfolgende Stadtplan zeigt jüdische Wohn- und Geschäftshäuser in der Stadt Altenburg. Der aktuell abgeschlossene Projektabschnitt bezieht sich auf den Zeitraum 1868 bis 1945 und ergänzt damit den bereits im Februar 2013 fertig gestellten Zeitraum von 1933-1945. Das damalige Herzogtum Sachsen-Altenburg hatte erst mit dem Beritritt zum Norddeutschen Bund sowie der gesetzlichen Gleichstellung des Judentums mit anderen Religionen (1869) die bis dahin geltenden Zuzugs- und Handelsbeschränkungen aufgehoben. Noch im Grundgesetz des Herzogtums Sachsen-Altenburg vom 18. Februar 1831 war in § 42 bestimmt, dass zur Aufnahme in den Staatuntertanenverband die christliche Religion Voraussetzung war. Und so dürfte Wilhelm (Wolff) Wolff mit seinem 1869 angemeldeten Textilgeschäft der erste Jude mit einer Verkaufseinrichtung in der herzoglichen Residenzstadt Altenburg gewesen sein. Jüdische Markthändler und Reisende in den Gasthäusern der Stadt boten auch vor dem Wegfall der Zuzugs- und Handelsbeschränkungen bereits ihre Waren feil.

Die farbigen Punkte zeigen Gebäude, in denen in diesem Zeitraum jüdische Einwohner Altenburgs lebten oder wirkten. Die Markierung nimmt keine Rücksicht auf Eigentumsverhältnisse, sondern gibt ein umfassendes Bild über von Juden genutzte Gebäude. Bei der Benennung von Personen wurden auch nicht-jüdische Ehepartner (#) und Kinder (*) sowie zum Christentum konvertierte Juden (~) einbezogen.

Um die Ansicht zu vervollständigen, wurden auch der jüdische Betsaal in der Pauritzer Straße 54 aufgenommen sowie die letzten von jüdischen Altenburgern nicht frei gewählten Wohnungen in den so genannten „Judenhäusern“. Anders als vom Nazi-Regime ursprünglich gewollt, ließen sich solche „Judenhäuser“ (auch Deportationshäuser genannt) nicht nur in jüdischem Eigentum finden, auch Gebäude in nicht-jüdischem Besitz wurden zu solchen Zwecken genutzt. Letztlich wurden auch Verweise zu den in Altenburg bislang verlegten „Stolpersteinen“ angebracht.

Das Stadtplan-Projekt wurde auf der Grundlage der aktuellen Forschungsergebnisse erstellt. Da die öffentlichen Quellen in großen Teilen lückenhaft sind, kann das vorliegende Werk keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Mit der Unterstützung des im Juli 2013 verstorbenen Ingolf Strassmann, der viele Jahren das Schicksal von Juden aus dem Altenburger Land erforscht hat, konnten auch aus öffentlichen Quellen nicht belegbare Standorte eingefügt werden. Die forscherische Arbeit, die Grundlage dieses Projekts ist, wurde mit großer Sorgfalt geführt. Als Recherchematerial dienten neben Personenstansregistern und Adressbüchern vor allem Gewerbeanmelderegister und Zeitschriften sowie Amtsblätter. Aufgrund der lückenhaften Quellenlage ließen sich leider nicht alle Lebenswege Altenburger Juden abschließend aufklären.

Allen Unterstützern des Projekts, allen voran Frank Ludewig (technische Umsetzung), sei an dieser Stelle herzlich gedankt. Dies gilt auch für die öffentlichen Stellen und Privatpersonen, die Bildmaterial und Informationen zur Verfügung gestellt haben. Findet sich an verwendetem Bildmaterial kein Quellenhinweis, stammt es von mir. Zur Belegung der Angaben zu gewerblichen Tätigkeiten von jüdischen Einwohnern wurden die Gewerbeanmelderegister der Stadt Altenburg aus dem Projektzeitraum genutzt, sofern hier Angaben zur Verfügung standen. Ein herzliches Dankeschön richte ich an das Stadtarchiv Altenburg, dem Thüringischen Staatsarchiv Altenburg sowie zahlreiche andere in- und ausländische Archive für die freundliche Unterstützung.


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